Rückenschmerzen 2026
Als Rückenschmerzen werden alle mehr oder minder starken Schmerzen im Bereich des Rückens bezeichnet, völlig unabhängig von deren Ursache. Fachsprachlich werden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule oft als Kreuzschmerzen (Lumbalgie/Lumbago) oder "LWS-Syndrom" bezeichnet, während die Dorsalgie entweder unspezifisch Rückenschmerzen oder im engeren Sinne Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule bezeichnet (dort auch synonym: "BWS-Syndrom"). Schmerzen der Halswirbelsäule werden oft als Nackenschmerzen, Cervicalgie oder "HWS-Syndrom" bezeichnet. Bei ausstrahlenden Schmerzen in die Extremitäten spricht man im Bereich der Lendenwirbelsäule auch von einer Ischialgie oder Lumboischialgie, an der Halswirbelsäule von einer Brachialgie oder Cervicobrachialgie.

Nach Dauer:
Akute Rückenschmerzen: weniger als 6 Wochen
Subakute Rückenschmerzen: 6 bis 12 Wochen
Chronische Rückenschmerzen: mehr als 12 Wochen
Andere Definition nach Dauer:
Akute Rückenschmerzen. treten entweder erstmals oder nach mindestens sechsmonatiger Beschwerdefreiheit innerhalb eines Tages auf und halten für höchstens drei Monate an.
Zeitweilige Rückenschmerzen. halten für höchstens drei Monate an und kehren innerhalb eines Jahres nicht wieder.
Wiederkehrende Rückenschmerzen. sind mit mehr als einer Episode an weniger als der Hälfte der Tage eines Jahres vorhanden.
Chronische Rückenschmerzen. sind mit meist mehr als einer Episode an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres vorhanden.
Als Hexenschuss bezeichnet man volkstümlich auch einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Rücken, der durch Reizung der sensiblen Innervation der Wirbelsäule ausgelöst wird, d. h. der Nerven, welche die Wirbelsäule selbst versorgen – also nicht durch Kompression der aus der Wirbelsäule austretenden Spinalnerven, die den übrigen Körper versorgen. Es handelt sich um einen häufig akut einsetzenden, zunächst segmental, meist stechenden Kreuzschmerz, der oft mit Lähmungsgefühl, Zwangshaltung, Bewegungssperre, Hartspann, Dornfortsatzdruckschmerz etc. verbunden ist. Nach einem schmerzarmen Intervall ist evtl. der Übergang in eine chronische Form möglich. Die Abgrenzung zu den Nervenwurzelreizungen wie z. B. dem Ischiassyndrom ist nicht immer ohne Weiteres möglich. Der Arzt spricht gelegentlich von einer „pseudoradikulären Symptomatik“, wenn das Schmerzgebiet zwar ausstrahlt, aber nicht mit dem Dermatom eines Spinalnerven übereinstimmt.

In Deutschland haben statistisch gesehen zurzeit 27–40 % der Menschen Rückenschmerzen. Etwa 70 % haben die Schmerzen mindestens einmal im Jahr und etwa 80 % klagen mindestens einmal im Leben über Rückenschmerzen. Damit erkranken Deutsche im internationalen Vergleich häufiger. Vergleiche sind jedoch problematisch. Von den Abschnitten der Wirbelsäule ist die Brustwirbelsäule (BWS) hinsichtlich Rückenschmerzen prozentual am wenigsten und die Lendenwirbelsäule (LWS) am häufigsten betroffen. Rückenschmerzen sind nach den Infektionen des Atemtrakts die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche. Am häufigsten sind Rückenschmerzen in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen zu verzeichnen, Kinder sind davon jedoch nicht ausgenommen. Rückenschmerzen sind Ursache von 15 % aller Arbeitsunfähigkeitstage.
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Als in weiterem Sinne dem kombinierten Fachbereich Unfallchirurgie/Orthopädie zugeordnete, erkennbare Ursachen für Rückenschmerzen reichen von Wirbelbrüchen über Bandscheibenvorfälle, Spinale Stenosen und Gleitwirbeln bis hin zu degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen wie der Osteochondrose. Auch entzündliche wie der Morbus Scheuermann oder der Morbus Bechterew und tumoröse Ursachen der Wirbel können zu Rückenschmerzen führen. Nach Vorstellung der Manuellen Medizin/Osteopathie finden sich bei unspezifischen Rückenschmerzen regelmäßig Blockierungen, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Iliosacralgelenke. Diese können primär oder sekundär auftreten.

Die Anamnese erfragt die Schmerzcharakteristik, z. B. bei welcher Gelegenheit die Schmerzen auftreten und ob sie bewegungsabhängig sind. Die klinische Untersuchung soll z. B. anatomische Längendifferenzen der Beine und hieraus sich ableitende pathologische Veränderungen sowie Funktionsdefizite aufdecken (Schreiber in Hoffmann/Siegfried 2005). Bei der klinischen Untersuchung können auch eine verquollene Muskulatur und ein örtlicher Druckschmerz auffallen. Ist ein Rippengelenk beteiligt, hebt sich die zugehörige Rippe aus dem Relief des Brustkorbes ab.

Zur Vorbeugung gilt ein „rückengerechtes“ Verhalten im Alltag als wesentlich, beispielsweise beim Heben von Lasten. Geeignete gymnastische Übungen und Ausgleichssport können unterstützend wirken.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Bei der überwiegenden Anzahl von Schmerzepisoden handelt es sich um ein vorübergehendes Ereignis, das nur einer symptomatischen Therapie (Schmerzmittel, Krankengymnastik, Massage, Fango etc.) bedarf. Bei einem gutartigen Verlauf kann durch rasche, zielgerichtete Therapie die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses vermieden werden. Die Leitlinien der orthopädischen Fachgesellschaft und der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft betonen, dass nur Maßnahmen langfristig nützlich sind, die die aktive Mitarbeit des Patienten einbeziehen. Monate- oder jahrelang fortgesetzte Interventionen mit passivierenden Therapien sollen vermieden werden, weil sie die Chronifizierung des Rückenschmerzes fördern.
Eine Metaanalyse von Studien zu nichtoperativen Behandlungsverfahren zeigt, dass bei akuten Rückenschmerzen nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) signifikante Effekte aufwiesen. Bei chronischen Schmerzen halfen vor allem Akupunktur und verhaltenstherapeutische Maßnahmen.
Wenn konservative Behandlungsoptionen bei chronischen, neuropathischen Rücken- oder Beinschmerzen auf Dauer keinen Erfolg gebracht haben, kann die Neuromodulation (engl. Spinal Cord Stimulation, SCS) zum Einsatz kommen. Als Arm der Schmerztherapie in der S3-Leitlinie ‚Epidurale Rückenmarkstimulation zur Therapie chronischer Schmerzen‘ ist diese Methode mit Empfehlungsgrad B eingestuft. Schmerztherapie Hamburg.



















