Polyneuropathie 2026
Polyneuropathie ist der Oberbegriff für bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mehrere Nerven betreffen. Abhängig von der jeweiligen Ursache können motorische, sensible oder auch vegetative Nerven gemeinsam oder auch schwerpunktmäßig betroffen sein. Die Erkrankung kann eher die Isolationsschicht der Nerven (Myelin) oder eher den Zellfortsatz (Axon) selbst betreffen, sie kann sich eher körperfern (distal) an Händen und Füßen oder sehr viel seltener auch körpernah (proximal) zeigen, es gibt symmetrische und asymmetrische Formen; stets aber sind mehrere periphere Nerven betroffen (griech. poly „viele“). Die Symptome können je nach betroffenem Nervenfasertyp und betroffener Körperregion sehr vielfältig sein.
Diabetes mellitus
Alkoholmissbrauch
Idiopathische Polyneuropathie, d. h. ohne erkennbare Ursache
Autoimmunologisch bedingt Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie (CIDP)
Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA)

Infektionskrankheiten (Mononukleose, Ehrlichiose, Typhus, Diphtherie, AIDS, Lues, Lyme-Borreliose und andere)
bei Krebserkrankungen als paraneoplastisches Syndrom oder als Nebenwirkung bestimmter Wirkstoffe der Chemotherapie (z. B. Oxaliplatin)
vererbbare (hereditäre) Polyneuropathie (z. B. Morbus Charcot-Marie-Tooth, auch bekannt unter HMSN I). Hier gibt es zahlreiche verschiedene, zum Teil sehr seltene Formen.
Vitamin-E-Mangel
Morbus Refsum (genetisch bedingte unnatürliche Speicherung der Phytansäure als Folge einer Störung der Alpha-Oxidation)
Bassen-Kornzweig-Syndrom (Hypocholesterinämie und Verminderung der beta-Lipoproteine)
Morbus Fabry (Mangel an α-Galactosidase A)
Strachan-Syndrom
Vaskulitis
Amyloidose (Amyloid-Polyneuropathie)
Vergiftung mit Cadmium
Vergiftung mit Thallium (z. B. durch Rattengift wie Zelio-Paste)
Bleivergiftung
Quecksilbervergiftung
selten auch bei Vergiftung mit Arsen
Die im höheren Alter häufige Spinale Stenose im Bereich der Lendenwirbelsäule kann PNP-artige Symptome wie das Sockengefühl verursachen.

Polyneuropathische Sensibilitätsstörungen können mit verschiedener Verteilung am Körper auftreten. Da die Zellkörper (Somata) der sensiblen Nervenzellen in den Ganglien nahe am Rückenmark liegen und die Nervenfortsätze von dort aus versorgt werden, nehmen die längsten Fasern, die bis hin zum großen Zeh versorgt werden müssen, am ehesten Schaden. Häufig beginnt die Erkrankung daher mit unangenehmen Missempfindungen der Zehen beidseits. Wenn die Erkrankung fortschreitet, wird die Verteilung der Sensibilitätsstörungen gelegentlich als „handschuh- oder sockenförmig begrenzt“ beschrieben. Die betroffenen Körperbereiche können spontan kribbeln und sind dann unangenehm und mitunter sehr störend, entweder taub oder brennend schmerzhaft. Es können Missempfindungen wie Hitze- oder Kälte- und Schwellungsgefühle, z. B. „wie im Schraubstock“ auftreten.


Anamnese: Die Patienten berichten über fehlende Wahrnehmung (Minussymptomatik) oder Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Brennen (Plussymptomatik).
Inspektion: Auffällig trockene Haut kann bei symmetrischem Befall ein Hinweis auf eine Neuropathie sein.
Reflexprüfung des Patellasehnen- und Achillessehnenreflex. Das Fehlen des ASR ist verdächtig auf eine Polyneuropathie.
Kalt-Warm-Unterscheidung: Der Patient sollte bei Berührung der Fußsohle unterscheiden können zwischen einer kalten Metallfläche von ca. 1,5 cm Durchmesser und einer gleich großen Plastikfläche.
Eine Beteiligung des vegetativen (autonomen = peripheren) Nervensystems kann durch einen Schweißtest, eine Kipptischuntersuchung, eine Untersuchung der Magenentleerungszeit sowie eine Messung der Herzfrequenzvariabilität nachgewiesen werden.

Therapiert wird ursachenspezifisch nach der Grunderkrankung und/oder symptomatisch. Eine gezielte Behandlung ist nur dann möglich, wenn die Ursache der Polyneuropathie erkannt wurde. Ursachenabhängige Therapiemaßnahmen sind zum Beispiel:
bakterielle Infektion: Behandlung mit Antibiotika, zum Beispiel bei der Borreliose
Alkoholismus: Alkoholverzicht, zusätzlich Vitamin-B1-Verabreichung.







